Warum ist die Wahl der Agentur so wichtig?
Die Branche hat ein Ruf-Problem, und das nicht ohne Grund. Medien haben in den letzten Jahren mehrfach über fragwürdige Agenturen berichtet.
Das SWR-Format Vollbild sprach 2022 mit Creatorinnen, die Agenturen Grenzüberschreitungen und finanzielle Ausbeutung vorwerfen. Laut der Recherche verlangten einige Agenturen bis zu zwei Drittel der Einnahmen. Eine Creatorin berichtete, die Agentur habe nach ihrer Kündigung den Account übernommen und sie ausgesperrt.
Eine BBC-Recherche von 2026 mit 60 britischen Creatorinnen kam zu ähnlichen Ergebnissen: Manager, die Zugänge kontrollieren, Auszahlungen umleiten und bis zu 70 Prozent der Einnahmen behalten.
Auch SRF hat sich mit der Branche beschäftigt, vor allem mit sogenannten Chattern, die im Namen von Creatorinnen Nachrichten schreiben. Die Reportagen zeigen, wie manche Agenturen mit Skripten auf möglichst hohen Umsatz drängen, ohne Rücksicht auf Fans oder Creatorinnen.
Wichtig für dich: OnlyFans hält in seinen Nutzungsbedingungen fest, dass die Vertragsbeziehung mit dir besteht und nicht mit Dritten. Wenn jemand dir beim Betrieb deines Accounts hilft, bleibst du rechtlich verantwortlich für alle Inhalte und für alles, was auf deinem Account passiert. Eine Agentur arbeitet also immer unter deinem Namen. Umso wichtiger ist, dass du ihr vertrauen kannst.
Die 7 Warnzeichen
Trifft einer dieser Punkte zu, solltest du genau hinschauen. Treffen mehrere zu, sag lieber ab.
- Kein Impressum, keine Firma. Du findest keinen Firmennamen, keine Adresse und keine verantwortliche Person. Wer nur über Instagram-DMs oder Telegram erreichbar ist, kann morgen verschwunden sein.
- Vorabkosten. Du sollst für die Aufnahme, ein Coaching, ein Startpaket oder Equipment bezahlen, bevor du überhaupt etwas verdienst.
- Passwort oder Account-Übernahme ohne Vertrag. Die Agentur will sofort deine Zugangsdaten, deine E-Mail oder deine Auszahlungsdaten, obwohl noch nichts unterschrieben ist.
- Knebelvertrag. Sehr lange Laufzeit, keine oder kaum mögliche Kündigung, hohe Strafen beim Ausstieg oder Klauseln, nach denen dein Account oder deine Inhalte der Agentur gehören.
- Unrealistische Verdienstversprechen. Garantierte fünfstellige Monatsumsätze nach wenigen Wochen. Niemand kann dir einen bestimmten Umsatz versprechen.
- Provision nicht schriftlich. Die Höhe wird nur mündlich genannt, ist unklar formuliert oder es bleibt offen, ob sie vom Umsatz vor oder nach der OnlyFans-Gebühr berechnet wird.
- Druck zu Inhalten über deine Grenzen. Man drängt dich zu Inhalten, die du nicht möchtest, oder dazu, doch dein Gesicht zu zeigen, obwohl du anonym bleiben willst. Deine Grenzen sind nicht verhandelbar.
Wie viel Provision ist üblich?
Eine verbindliche Marktübersicht gibt es nicht. Branchenratgeber nennen am Markt häufig Spannen von etwa 20 bis 70 Prozent, abhängig davon, was die Agentur übernimmt: nur Chat-Betreuung, zusätzlich Marketing oder das komplette Management. Ein Schweizer Agenturinhaber nannte gegenüber SRF 50 Prozent der Einnahmen.
Die Zahl allein sagt wenig. Wichtiger sind drei Fragen:
- Wird die Provision vom Umsatz vor oder nach den 20 Prozent berechnet, die OnlyFans behält? Das macht einen grossen Unterschied.
- Welche Leistungen sind konkret enthalten?
- Wer zahlt wen aus, und bekommst du eine nachvollziehbare Abrechnung?
Ein Rechenbeispiel zeigt, warum die Berechnungsgrundlage zählt: Bei 1'000 Franken Umsatz behält OnlyFans 200 Franken. Berechnet die Agentur 40 Prozent auf die verbleibenden 800 Franken, sind das 320 Franken, und dir bleiben 480 Franken. Berechnet sie die gleichen 40 Prozent auf die vollen 1'000 Franken, sind es 400 Franken, und dir bleiben nur noch 400 Franken. Gleiche Zahl im Vertrag, aber 80 Franken Unterschied für dich, jeden Monat und bei höherem Umsatz entsprechend mehr.
Eine niedrige Provision ist übrigens nicht automatisch besser. Wenn eine Agentur kaum etwas leistet, sind auch 20 Prozent zu viel. Vergleiche deshalb immer Preis und Leistung zusammen.
Mit unserem Verdienst-Rechner kannst du durchspielen, was dir bei einer bestimmten Provision bleibt.
Checkliste vor der Unterschrift
Nimm dir Zeit. Eine seriöse Agentur gibt dir den Vertrag vorab, damit du ihn in Ruhe lesen kannst, und hat kein Problem damit, wenn du ihn prüfen lässt.
- Es gibt eine echte Firma mit Namen, Adresse und Impressum auf der Website.
- Du hast einen schriftlichen Vertrag, bevor du Zugangsdaten herausgibst.
- Die Provision steht als Zahl im Vertrag, inklusive Berechnungsgrundlage.
- Die Leistungen sind konkret beschrieben, nicht nur als "Rundum-Betreuung".
- Laufzeit und Kündigungsfrist sind klar und für dich machbar.
- Es steht drin, dass dein Account und deine Inhalte dir gehören.
- Es ist geregelt, wie du beim Ende der Zusammenarbeit alle Zugänge zurückbekommst.
- Du weisst, wie und wann du deine Abrechnung erhältst.
- Deine Grenzen (Gesicht, Inhalte, Themen) sind schriftlich festgehalten.
- Es gibt keine Kosten, bevor du etwas verdienst.
- Der Umgang mit deinen Daten ist in einer Datenschutzerklärung beschrieben.
Bei Private Star halten wir genau diese Punkte im Vertrag fest. Wie wir arbeiten und wer hinter uns steht, liest du auf Über uns.
Welche Fragen solltest du im Erstgespräch stellen?
Ein gutes Erstgespräch ist kein Verkaufsgespräch. Du darfst kritisch fragen, und die Antworten sollten klar sein.
- Wer genau steht hinter der Agentur, und wo sitzt die Firma?
- Wie hoch ist die Provision, und worauf wird sie berechnet?
- Welche Leistungen übernehmt ihr, und welche nicht?
- Wer schreibt mit meinen Fans, und wie sind diese Personen geschult?
- Wer hat Zugang zu meinem Account, und wie wird das abgesichert?
- Wie und wie oft bekomme ich eine Abrechnung?
- Wie kann ich kündigen, und was passiert dann mit meinem Account?
- Wie schützt ihr mich vor Leaks und davor, erkannt zu werden?
- Was passiert, wenn ich bestimmte Inhalte nicht machen möchte?
- Darf ich den Vertrag vor der Unterschrift prüfen lassen?
Weicht jemand bei diesen Fragen aus oder setzt dich unter Zeitdruck ("Das Angebot gilt nur heute"), ist das bereits eine Antwort.
Wenn du in der Schweiz lebst, achte zusätzlich darauf, ob die Agentur Themen wie AHV, Steuern und Auszahlung in Franken versteht. Mehr dazu auf unserer Seite OnlyFans Agentur Schweiz.
Was tun, wenn du schon in einem schlechten Vertrag steckst?
Zuerst: Du bist nicht schuld. Viele Creatorinnen unterschreiben in einer Phase, in der sie der Agentur vertrauen. Diese Schritte können helfen:
- Unterlagen sichern. Speichere den Vertrag, Chatverläufe, Abrechnungen und Zahlungsbelege an einem Ort, auf den nur du Zugriff hast.
- Zugänge prüfen. Stelle sicher, dass du Zugriff auf die E-Mail-Adresse hast, mit der dein Account verknüpft ist, und dass deine Auszahlungsdaten auf dich laufen.
- Nicht überstürzt handeln. Kündige nicht im Affekt und ändere nicht alle Passwörter, bevor du weisst, was dein Vertrag dazu sagt.
- Rechtsberatung holen. Lass den Vertrag von einer Anwältin oder einem Anwalt prüfen. In der Schweiz kann zum Beispiel ein einfacher Auftrag nach Art. 404 OR grundsätzlich jederzeit beendet werden, ob das auf deinen Vertrag zutrifft, hängt aber von seiner Ausgestaltung ab. Das kann nur eine Fachperson beurteilen.
- Bei Drohungen Hilfe holen. Wirst du bedroht oder erpresst, wende dich an die Polizei.
Wenn du später neu startest und anonym bleiben möchtest, findest du im Ratgeber OnlyFans anonym starten praktische Tipps.
Häufige Fragen
Eine feste Zahl gibt es nicht. Branchenratgeber nennen Spannen von etwa 20 bis 70 Prozent, je nach Leistungsumfang. Entscheidend ist, dass die Provision schriftlich im Vertrag steht und klar ist, ob sie vom Umsatz vor oder nach der OnlyFans-Gebühr berechnet wird. Im Verdienst-Rechner siehst du, was dir am Ende bleibt.
Nicht einfach so. Wenn eine Agentur für dich chattet oder postet, braucht sie einen Zugang. Wie dieser Zugang geregelt ist, wer ihn hat und wie du ihn jederzeit zurückbekommst, muss vorher im Vertrag stehen. Gib Zugangsdaten nie vor der Unterschrift heraus.
Seriöse Agenturen verdienen mit, wenn du verdienst. Gebühren für die Aufnahme, Kurse oder Startpakete vor der Zusammenarbeit sind ein deutliches Warnzeichen.
Wichtiger als die Laufzeit ist, dass du wieder aussteigen kannst. Achte auf eine klar geregelte Kündigungsfrist und darauf, was mit deinem Account, deinen Inhalten und offenen Auszahlungen beim Ende passiert. Lies dazu auch unsere FAQ.
Sichere zuerst deine Zugänge und deine Unterlagen, und lass den Vertrag von einer Anwältin oder einem Anwalt prüfen, bevor du kündigst. Je nach Land und Vertragsart gelten unterschiedliche Regeln, deshalb lohnt sich eine Beratung.
Du möchtest eine Agentur kennenlernen, die diese Checkliste ernst nimmt? Dann bewirb dich unverbindlich bei Private Star und stell uns alle Fragen von oben.
Quellen
- OnlyFans: Terms of Service (Abschnitte zu Creator payouts, Fee 20 % und Verantwortung für Inhalte bei Unterstützung durch Dritte), Stand August 2024, abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Utopia.de: Ausbeutung bei OnlyFans? Recherche deckt Schattenseite des Erotik-Portals auf, 3. November 2022 (zur Recherche von SWR Vollbild).
- Net Influencer: Investigation Finds OnlyFans 'Agents' Threatening and Exploiting Creators, Taking Up to 70% of Earnings, 9. Oktober 2026 (zur BBC-Recherche "OnlyFans: Inside the Machine").
- SRF: Betrug mit Sexting: Ghostwriter zocken auf Onlyfans Männer ab, 16. Januar 2024.
- SRF: Sexting: Die Chatter hinter den Onlyfans-Models, 14. Oktober 2025.
- Desirely (Branchenratgeber, Anbieter für Agenturen): OnlyFans Agentur Provision: übliche Sätze und Obergrenze, aktualisiert 16. Oktober 2026.
- Schweizerisches Obligationenrecht: Art. 404 OR (Widerruf und Kündigung des Auftrags).